Ärztekammer – Szekeres gegen sture Kostendämpfung

Der neu gewählte Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Thomas Szekeres, will sich für mehr Geld einsetzen – und zwar nicht nur für die Ärzte, sondern für das gesamte Gesundheitssystem, wie er der APA am Freitag in einem Telefoninterview erklärte. Mit Politik und Sozialversicherung strebt er ein neues Verhältnis an. Kritik übte er wie sein Vorgänger am Primärversorgungsgesetz. (Tiroler Tageszeitung vom  23.06.2017)

„Ich bin ergebnisoffen in die Abstimmung gegangen, aber ich habe damit gerechnet, dass ich gewählt werde“, sagte er nach seiner Kür in der Kammer-Vollversammlung. Gewählt wurde er dort einstimmig.

Zuviel Einfluss der Wiener Sicht der Dinge brauche man nicht befürchten, so der kürzlich als Kammerchef der Bundeshauptstadt wiedergewählte Szekeres. Er werde sämtliche Landespräsidenten in die wesentlichen Entscheidungen einbinden. „Ich bin Sprecher der Ärzteschaft, nicht der, der Zielvorgaben vorgibt.“

Auch ein Umfärben der Kammer steht nicht auf der Tagesordnung, so Szekeres, der sich 2015 von seiner SPÖ-Mitgliedschaft verabschiedet hat. Er übe keine parteipolitische, sondern eine standespolitische Funktion aus. „Ich habe eine soziale Einstellung, aber die haben alle meine Kollegen“, so der 55-Jährige, der als Facharzt für Labordiagnostik mit Krebsspezialisierung am Wiener AKH arbeitet.

Im Vergleich mit seinem Vorgänger Artur Wechselberger sollen sich die Themen der Präsidentschaft wenig ändern. Er hoffe aber, für ein neues Verhältnis mit den Verantwortlichen in Politik und Sozialversicherungs-Hauptverband sorgen zu können. „Es hat die Ärzteschaft sehr gestört, dass man im Rahmen der Gesundheitsreform die Ärzte ausschließen wollte, weil sie keine Zahler sind“, meinte er und pochte auf eine stärkere Einbindung. Noch schärfer formulierte er es in seiner Antrittsrede als ÖÄK-Präsident. „Wenn man die Ärzteschaft ausschließt, wird die Reform scheitern“, meinte er da.

Gegenüber der APA betonte er, dass er zu Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) ein gutes Verhältnis habe, auch wenn man in Sachfragen unterschiedliche Auffassungen vertrete. Kritik übte er wie schon Wechselberger am Primärversorgungsgesetz. Die Kammer hat dazu am Freitag auch eine Resolution verabschiedet, in der die Anstellung von Ärzten bei Ärzten und die finanzielle Aufstockung des niedergelassenen Bereichs gefordert wird.

Kritik übte er am von Bund und Ländern vereinbarten weiteren Kostendämpfungspfad im Gesundheitswesen. Eine sture Koppelung an die Inflation sei nicht sinnvoll, man müsse die Ausgaben an die Bedürfnisse der Menschen koppeln.

Auch in seiner Antrittsrede in Bad Hofgastein forderte Szekeres, dass man eine Steigerung des Anteils der Gesundheitsausgaben am BIP benötige. Freiberuflich tätige Ärzte müssten gestärkt werden, das „Mystery Shopping“ von Versicherungskontrolloren in Kassenpraxen gehöre beendet, und die Wahlarzt-Rückerstattung müsse auf 100 Prozent steigen. Auch gegen die Bürokratisierung etwa durch die Gesundheitsakte ELGA und den „grassierenden Dokumentations- und Codierungswahn“ sprach sich der neue Ärztekammer-Chef aus.  (Tiroler Tageszeitung vom  23.06.2017)

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