Ein Arzt für 15.000 Patientinnen

Wie es um die Grundversorgung der Tiroler bestellt ist, zeigt eine neue Untersuchung des Landes

Vom Altenheim bis zum Arzt, von der Polizeiinspektion bis zum Postamt und der Tankstelle, vom Lebensmittelgeschäft und dem Bäcker bis zum Geldinstitut: Wie es um die Grundversorgung in den 279 Tiroler Gemeinden bestellt ist, wird seit 2005 alle drei Jahre in 15 Hauptkategorien vom Fachbereich Statistik im Amt der Tiroler Landesregierung erhoben. (Tiroler Tageszeitung vom 08.10.2017)

Die fünfte derartige Untersuchung liegt nun vor und wartet mit interessanten Details auf. Mehr Ärzte, mehr Apotheken und Tankstellen. Dafür weniger Bäcker, Metzger, Postämter und Bankfilialen, lauten einige der Ergebnisse. Gegenüber 2014 konnten demnach 63 Gemeinden ihr Versorgungsangebot verbessern und 157 den Stand halten. In 59 Gemeinden allerdings gibt es weniger Versorgungseinrichtungen als vor drei Jahren bei der letzten Erhebung. „Die grundsätzliche Versorgung ist gewährleistet“, gibt Manfred Kaiser, Chef der Landesstatistik, ein dennoch nicht zu pessimistisches Urteil ab.

Der etwas detailliertere Blick offenbart jedoch die Kehrseite der Medaille: Denn wo Versorgungseinrichtungen fehlen, sei es vor allem eine Frage der Mobilität, dennoch in deren Genuss zu kommen. „Dieser Umstand könnte vor allem mit Blick auf eine immer älter werdende Bevölkerung in den nächsten Jahren zum Problem werden“, so Kaiser.

Zurück zur aktuellen Untersuchung mit einigen Beispielen.

Beispiel 1: In 62 Gemeinden mit 40.000 Menschen gibt es keinen Nahversorger — die größte betroffene Gemeinde ist Breitenwang mit 1454 Einwohnern.

Beispiel 2: Mehr Ärzte im Vergleich zur letzten Erhebung klingt besser, als es ist. So gibt es tirolweit derzeit zwar 624 niedergelassene Praktiker (Kassen- und Wahlärzte) und somit um zwei mehr als 2014. Allerdings ist auch die Bevölkerung gewachsen — weswegen ein praktischer Arzt im Durchschnitt derzeit 1196 Patienten versorgt gegenüber 1161 Personen im Jahr 2014.

Beispiel 3: Im Gegensatz zu 2014 gibt es einen Rückgang bei den Zahnärzten. „13 Zahnärzte weniger bedeutet auch längere Wartezeiten“, sagt Kaiser. Besonders betroffen ist das Seefelder Plateau: Dort müssen sich mehr als 4200 Personen einen Zahnarzt teilen — rein rechnerisch gesehen kommt tirolweit auf 1894 Einwohner ein Zahnarzt. Schlecht ist es auch um die Versorgung des Bezirks Imst mit Frauenärzten bestellt: „Dort gibt es nur zwei niedergelassene Gynäkologen, die rechnerisch je fast 15.000 Frauen zu betreuen haben.“

Beispiel 4: Besorgniserregend ist für Kaiser die Entwicklung der Postdienste. Zwischen 2009 und 2017 wurden in Tirol 79 Postämter geschlossen. „Derzeit gibt es nur noch in 36 Orten ein Postamt. 139 Gemeinden — und somit um zwei weniger als vor drei Jahren — haben hingegen weder ein Postamt noch einen Postpartner.“ Seit 2014 haben zudem 15 Gemeinden ihre Bankfiliale verloren — insgesamt fehlen derartige Einrichtungen inzwischen in 82 Gemeinden.

Beispiel 5: Die Zahl der Bäckereien (derzeit — inklusive der Brotfachgeschäfte — tirolweit 392) und Metzgereien (derzeit 161 im Unterschied zu 260 bei der ersten Erhebung 2005) ist weiter geschrumpft. „Vielfach wird dieser Verlust aber durch Lebensmittelketten ausgeglichen“, so Kaiser. Auch Tankstellen werden immer mehr zum Nahversorger: Von den 308 Tankstellen verfügen 215 über Convenience-Shops.

Beispiel 6: Zwischen 2014 und 2017 wurden tirolweit vier Polizeiinspektionen geschlossen (je eine in Innsbruck, Gries a. B., Matrei a. B., Spiss). Bis auf den Planungsverband Sonnenterrasse gibt es in jedem der 36 Plaungsverbände aber mindestens eine Polizeiinspektion.

Nähere Infos unter www.tirol.gv.at/statistik

(Tiroler Tageszeitung vom 08.10.2017)

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