Ärzte- und Apothekerschaft an vorderster Front zum Wohl der Patienten

Salon A: Hochkarätige Runde diskutierte Möglichkeiten der Zusammenarbeit – Ehrengast ÖÄK-Präsident Dr. Thomas Szekeres

Premiere im Salon A: Die neu gewählten Spitzen von Ärzte- und Apothekerschaft, ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres und Mag. pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr, zeigten Geschlossenheit und erklärten, sich gemeinsam zum Wohl der Patienten an vorderste Front begeben zu wollen. Welche Gemeinsamkeiten Ärzte und Apotheker haben, wo es Ansatzpunkte gibt und wo Kooperationen möglich sind, waren einige der Themen, die im Salon A unter der Moderation von Mag. pharm. Corinna Prinz-Stremitzer diskutiert wurden. (APA OTS vom 05.10.2017)

„Bis zum Jahr 2025 wird es etwa eine halbe Million mehr Menschen im Alter über 60 geben. Die Folge: mehr chronisch Kranke und multimorbide Patienten, die betreut werden müssen. Aus heutiger Sicht verliert Österreich allerdings im selben Zeitraum durch Pensionierungen und Probleme in der Nachbesetzung etwa 60 Prozent der Allgemeinmedizinerstunden“, eröffnete Mag. pharm. Corinna Prinz-Stremitzer den Salon A. In Sachen Gesundheitskompetenz liegt Österreich in Europa bei den Erwachsenen an viertletzter Stelle, bei den Schulpflichtigen überhaupt an letzter Stelle. Die Gesundheitskompetenz muss also erhöht werden, sowohl die der Gesunden als auch die der akut und chronisch Kranken. „Die ‚Gesundheitsziele Österreich‘, die vom Bundesministerium für Gesundheit und Frauen formuliert wurden, tragen dazu bei, die Anzahl der in Gesundheit verbrachten Lebensjahre anzuheben“, sagte Apothekerkammer-Präsidentin Mag. pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr. „Die Gesundheitsberufe sind gefordert, umgehend Maßnahmen zu ergreifen, um diesen Herausforderungen zu begegnen und um zur Erreichung der Gesundheitsziele beizutragen“, so Mursch-Edlmayr weiter.

Um die Rolle der österreichischen Apothekerschaft zu definieren, skizzierte die Präsidentin den Ist-Zustand: „Derzeit gibt es 1.400 öffentliche Apotheken mit mehr als 6.200 ausgebildeten Apothekerinnen und Apothekern. Täglich suchen 400.000 Menschen eine öffentliche Apotheke auf, binnen weniger als zehn Minuten kann jeder Österreicher eine Apotheke erreichen. Die Apotheken sind rund um die Uhr mit ihren Experten im Einsatz“, zeigte Mursch-Edlmayr auf. Um die Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung weiter zu verbessern, möchte sie Synergien mit der Österreichischen Ärztekammer suchen: „Es ist unser Ziel, dass Apothekerkammer und Ärztekammer sich in Zukunft umfassend und auf Augenhöhe in die Optimierung der Gesundheitsversorgung einbringen“, erklärte die Präsidentin. Gemeinsam mit der Ärzteschaft sollen daher Ideen und Konzepte entwickelt bzw. akkordiert werden, erste Gespräche haben bereits stattgefunden.

Mursch-Edlmayr: „Von unserer Seite gibt es das Angebot, die Gesundheitskompetenz und das Wissen der Bevölkerung zu erhöhen. Wir haben einen niederschwelligen Zugang zu den Menschen, wir können eine Fülle an Informationen transportieren. Durch strukturierte und standardisierte Beratung und Betreuung stellen wir sicher, dass der Patient zum richtigen Zeitpunkt bei der richtigen Versorgungsstelle zur frühestmöglichen Diagnose und Therapie kommt.“ Eine enge Zusammenarbeit mit den Ärzten sei unerlässlich, vor allem zum Wohl der Patienten. „Wir müssen den Menschen das Gefühl vermitteln, dass sie von beiden Berufsgruppen Hand in Hand optimal betreut werden. Das schaffen wir nur, indem wir die Betreuungsprozesse gemeinsam gestalten, akkordieren und verbessern“, führte die Präsidentin aus.

Mit einer Stimme sprechen
„Der Umstand, dass wir heute Abend hier gemeinsam stehen, ist ein starkes Signal dafür, dass wir an einem Strang ziehen wollen“, ergänzte ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, Präsident der Österreichischen Ärztekammer. Das Gemeinsame – die Betreuung der Patienten durch die freien Berufsgruppen der Ärzte und Apotheker – muss vor das Trennende gestellt werden, so Szekeres weiter, der in der Folge dazu aufrief, sich auch gemeinsam gegen Bestrebungen zu wehren, die freien Berufe abzuschaffen. Kooperationen etwa im niedergelassenen Bereich sind aus seiner Sicht für die beiden Berufsgruppen, aber selbstverständlich auch für die Patienten von Vorteil: „Im Idealfall übermittelt der Hausarzt, noch während der Patient bei ihm in der Ordination ist, das Rezept für den Patienten an die Apotheke dessen Wahl. Der Patient muss das Medikament dann nur noch in seiner Apotheke abholen“, skizzierte Szekeres eine Form der Zusammenarbeit.

„Ärzte und Apotheker verzeichnen täglich gemeinsam 700.000 Patientenkontakte. Das hat durchaus politische Bedeutung, zeigt es doch das Vertrauen, das die Menschen in den jeweiligen Berufsstand setzen. Ärzte und Apotheker genießen höchstes Ansehen“, zeigte Szekeres auf. Dennoch will die Politik beide Berufsgruppen zu Gesundheitsdiensteanbietern degradieren, idealerweise als schlecht entlohnte Angestellte der Krankenkassen. Szekeres: „Das wollen wir nicht.“ Vielmehr müssen Ärzte und Apotheker ihr politisches Mitspracherecht einfordern. Denn derzeit bestimmen die Zahler: Die Ausgaben werden limitiert, unter dem Stichwort „Kostendämpfungspfad“ wurde der Sparkurs öffentlichkeitswirksam präsentiert, kritisierte der ÖÄK-Präsident. „Die angebliche Kostenexplosion hat nur einen kleinen Schönheitsfehler: Die Kosten sind schon vor 30 Jahren explodiert. In den vergangenen zehn Jahren sind die Ausgaben für Gesundheit in Österreich kaum stärker gestiegen als die Inflation“, führte Szekeres aus und stellte die Frage in den Raum, wie man eigentlich Qualität im Gesundheitssystem messen kann. „Das ginge z.B. über gesunde Lebensjahre und höhere Lebenserwartung. Allerdings sind vor allem die gesunden Lebensjahre eng mit Prävention verbunden, und in Sachen Prävention ist Österreich denkbar schlecht aufgestellt“, so der ÖÄK-Präsident. In Prävention zu investieren und die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu stärken, ist daher ein Gebot der Stunde. Szekeres: „Man kann nicht nivellieren und Milliarden einsparen. Das ginge zu Lasten der Patienten.“

Zum Wohl der Patienten, aber auch um die beiden Berufsgruppen nachhaltig zu stärken, sollen die Kräfte gebündelt werden. Mit gemeinsamen Projekten und Strategien wollen die beiden Standesvertreter in den kommenden fünf Jahren die Themenführerschaft übernehmen anstatt sich von der Politik auseinanderdividieren und schwächen zu lassen. Auch gemeinsame Aus- und Weiterbildung soll es geben, nämlich dort, wo es sinnvoll ist. „Unsere Devise lautet ganz klar: one voice“, sagten Mursch-Edlmayr und Szekeres abschließend. (APA OTS vom 05.10.2017)

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