Britische Ärzte schlagen Alarm: Kranke sterben auf Korridoren

Britische Ärzte verfassten ein Schreiben an Premierministerin May: Sie weisen darauf hin, dass die staatlichen Krankenhäuser chronisch unterfinanziert sind. ( derStandard vom 12.01.2018)

London – Ärzte aus 68 britischen Krankenhäusern haben Premierministerin Theresa May auf teils katastrophale Zustände im staatlichen Gesundheitssystem hingewiesen und ihre Sorgen um die Sicherheit von Notfallpatienten betont. In den oft überfüllten Kliniken sterben den Medizinern zufolge Kranke sogar auf Korridoren.

Die staatlichen Krankenhäuser seien chronisch unterfinanziert, heißt es in dem Schreiben. Die Zustände seien „nicht mehr akzeptabel trotz größter Bemühungen der Mitarbeiter“. In einigen Notfallaufnahmen warteten mehr als 50 Patienten gleichzeitig auf ein Bett. Die Ärzte publizierten ihren Brief im „Health Service Journal“.

Zehntausende Operationen verschoben
In diesen Wochen müssen in Großbritannien Zehntausende Operationen verschoben werden. May hatte sich dafür entschuldigt, aber dies mit besonderen Umständen im Winter begründet. Dazu zählte sie auch die Feiertage und die Zunahme schwerer Atemwegserkrankungen.

Der Chef der oppositionellen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, sprach von einer jährlichen „Zwölf-Monats-Krise“. Er forderte bei einem Treffen mit medizinischem Personal von der Regierung deutlich höhere Investitionen im Gesundheitsbereich.

Grippewelle verschärft Situation
Der staatliche Gesundheitsdienst (National Health Service) ist weitgehend kostenlos für die Patienten und stößt in jedem Winter an seine Grenzen. Der Chef des Britischen Roten Kreuzes sprach vor einem Jahr im Londoner Parlament sogar von einer „humanitären Krise“. Neben den knappen Kassen sind britischen Gesundheitsexperten zufolge auch die explodierenden Patientenzahlen ein Grund für die Zustände. Die Behandlung von immer mehr Senioren mit chronischen Krankheiten treibt die Kosten in die Höhe. Derzeit steigt im Vereinigten Königreich außerdem die Zahl der Grippefälle signifikant.

 derStandard vom 12.01.2018

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.