Alles aus einer Hand und aus zwei Töpfen

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Wie ein Wiener Gesundheitsmodell aussehen könnte

Selbst Experten können oft nicht nachvollziehen, wie die Geldströme im Gesundheitssystem fließen: Steuerfinanzierte Leistungen, Erlöse aus der Sozialversicherung und diversen Fonds und vor allem, im Finanzausgleich, zwischen Bund und Ländern, der für sich selbst ein Labyrinth darstellt.Zunächst müssen wir umdenken: von einem Krankenkassensystem zu einem Gesundheitssystem. Alle Leistungen, die zur Gesundheit beitragen, werden aus einem Gesamtbudget getragen, alle ambulanten Leistungen aus den Beiträgen der Sozialversicherung, sowohl im niedergelassenen, als auch im Krankenhausbereich.

Integriertes Gesundheitsmodell
Gesundheitsversorgung als integriertes Modell würde Prävention und Gesundheitserziehung ab der Vor- und Volksschule, Erstversorgung und Diagnose, kurative Medizin und Therapie, Rehabilitation und Altenpflege umfassen. Dazu muss der Staat ein Gesamtbudget zur Verfügung stellen. Derzeit gibt es kein deklariertes und dezidiertes Vorsorgebudget. Wer nicht krank ist, kann auch keine Leistungen der Sozialversicherung in Anspruch nehmen. Wer also selbst Prävention betreiben möchte, ist auf die eigene
Tasche angewiesen.

Postoperative Services
Altenpflege und Rehabilitation werden derzeit aus dem Sozialbudget bezahlt. Dabei ist gerade die Rehabilitation und die postoperative Betreuung eine Schwachstelle im System. Wir haben viele Akutbetten und zu wenige Pflegebetten. Wir konnten zwar die Krankenhausaufenthalte verkürzen – gleichzeitig steigen aber die Wiedereinweisungen. Da lügt man sich in die eigene Tasche.

Prävention und Pflege…
…sind die beiden großen Herausforderungen, die unsere Gesellschaft bewältigen muss. Wenn wir nicht jetzt und rasch in Prävention investieren, haben wir in 20 Jahren eine Erwerbsgesellschaft mit überdurchschnittlich vielen chronisch erkrankten Menschen, die nur teilweise arbeitsfähig sind. Die dicken Kinder von heute sind die Diabetiker von morgen. Und zwar schon mit Mitte Zwanzig.

Eine Verschiebung in die Spitals-/Unfallambulanzen hat stattgefunden

Wenn wir eine gesunde Gesellschaft wollen sowie eine möglichst gesunde und mobile Altersgeneration, müssen wir Prävention dotieren und Gesundenuntersuchungen forcieren, nicht nur bei der Jugend auch im Arbeitsbereich. Jeder Euro, der dort hineinfließt, kommt doppelt und mehrfach zurück.

Investieren statt sparen
Wir müssen in Gesundheitsberufe investieren. Nur damit können wir die Altenpflege auch garantieren. Die ertragsmaximierenden, privaten Konzerne haben den Wachstumssektor Gesundheit bereits erkannt und beginnen ihn zu vereinnahmen. Das sollten wir verhindern und die öffentlichen Systeme stärken. Bessere Gehälter, durchlässigere Ausbildung und bessere Arbeitsbedingungen. Wir könnten tausende junge Menschen
motivieren, Gesundheitsberufe zu ergreifen, wenn wir das Image aufwerten.

Leistungen statt Kosten
Wir müssen endlich begreifen, dass Gesundheitsausgaben keine Kosten und budgetäre Minusfaktoren sind, sondern Investitionen in die Zukunft, die sich rechnen. Es gibt kaum einen Bereich, der arbeitsplatzbezogen derart krisensicher ist wie der Gesundheitsmarkt. Wenn es gelingt, das im öffentlichen Bewusstsein zu verankern, haben wir einen wesentlichen Schritt gesetzt.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer für Wien und für Österreich


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