Mangelfächer! Mehr Lückenschließer!

Zur Situation der niedergelassenen FachärztInnen

Die Fakten sind seit Jahren deutlich: Es gibt zu wenige KinderärztInnen, (Kinder-) PsychiaterInnen, und es gibt zu wenige DermatologInnen. Zahlreiche weitere Fächer sind zumindest teilweise, je nach Region unterbesetzt – vor allem hinsichtlich der Tatsache, dass eine Vielzahl der KollegInnen der Baby-Boomer-Generation demnächst in Pension gehen werden.

Die Ursachen liegen einerseits in den wenig attraktiven Arbeitsbedingungen und Honoraren – vor allem bei betreuungsintensiven Fächern, wie Psychiatrie und Pädiatrie –, anderseits an der mangelnden Vernetzung des muralen mit dem extramuralen Bereich.

Es ist ein Mythos, FachärztInnen würden wenig arbeiten und viel verdienen. Jede Gehaltsstatistik und -übersicht entlarvt diesen Mythos. Noch dazu sollte man bedenken, dass eine FachärztIn – nach durchschnittlich zehn Jahren Studium und Fachausbildung – frühestens mit 32 oder 35 Jahren seine/ihre Praxis eröffnen kann, sich einen Patientenstock aufbauen und massiv Geld in die Praxis investieren muss. Es verbleiben ihm/ihr in der Regel 30 bis 33 Berufsjahre. Das ist nicht viel.

Österreichs Gesundheitssystem ist idealtypisch so aufgebaut, dass es enge Verzahnungen zwischen AllgemeinmedizinerInnen und FachärztInnen gibtund wiederum die direkte Verzahnung mit dem Krankenhausbereich. Das ist zumeist Wunschbild. Hier muss man künftig stärker ansetzen: Entlastung der Spitalsambulanzen, Übernahme von postoperativer Betreuung durch den niedergelassenen Bereich ebenso wie Langzeitpflege.

Nur so kann es gehen. Was wir dazu benötigen: mehr ÄrztInnen in allen Segmenten, vor allem in der öffentlichen Gesundheitsversorgung und im
Kassensystem.

Dr. Klaus Wirtinger

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