Doch noch ein Jahresende in Zufriedenheit?

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres

Offensichtlich haben sich unsere jahrelangen Bemühung, Kämpfe, Auseinandersetzungen und Argumentationen ausbezahlt. Die Stadt Wien will im KAV zusätzlich 250 Dienstposten für ÄrztInnen schaffen. Das ist eine gute Nachricht und Beweis dafür, dass man nicht aufgeben darf.

Diese positive Botschaft ist mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein – das bedeutet, dass der KAV bereit ist jährlich ca. 25 Mio. Euro mehr für ärztliches Personal auszugeben. Es bedeutet aber nicht, dass damit die Gesundheitsversorgung auf hohem Niveau gesichert ist. Es müssen ausreichend ÄrztInnen gefunden werden, insbesondere SpezialistInnen. In vielen Fächern fehlen die Bewerber, hier muss man auch verstärkt ausbilden um die, in den kommenden Jahren pensionsreifen, Babyboomer ersetzen zu können.

Es gibt natürlich noch andere Baustellen: bei den Investitionen in den Krankenhäusern, in der Ablauforganisation innerhalb des KAV, in der adäquaten Zuteilung der Arbeit – nicht unterhalb der Qualifi kationen – und in der praktischen Ausbildung der JungärztInnnen.

Auch die 250 zusätzlichen Stellen decken nur die gröbsten Lücken ab – von adäquaten Ressourcen kann längst nicht die Rede sein. Denn es fehlen ja nicht nur ÄrztInnen, sondern auch fachlich gut ausgebildete Pflegekräfte, Schreibkräfte etc. Auch beim Personal jenseits der ÄrztInnen wird der KAV mehr Personal einstellen müssen, damit unser Gesundheitssystem so funktioniert, wie es sollte.

Der niedergelassene Bereich hat eine zusätzliche Finanzspritze erhalten: 22 Mio. Euro für Zielsteuerungsprojekte für 2020, vor allem für HausärztInnen und Mangelfächer, für die Etablierung von Gruppenpraxen und Ordinationsneugründungen und für die bessere Honorierung von HausärztInnen und KinderärztInnen.

Das ist gut – löst aber auch nicht das Problem, dass demnächst sehr viele der niedergelassenen ÄrztInnen in Pension gehen und dutzende Kassenstellen nachbesetzt werden müssen oder neu geschaffen werden müssen. Das gilt auch für Mangelfächer: KinderärztInnen und PsychiaterInnen oder AllgemeinmedizinerInnen.

Wir sind guter Hoff nung, dass wir im neuen Jahr mit vereinten Kräften und auf Augenhöhe mit dem Gesundheitsressort weitere Verbesserungen schaffen.

Wir sagen aber ganz deutlich: Die Stadt wird noch mehr Geld in die Hand nehmen müssen, um das Dringlichste abzudecken. Sanierung der teilweise maroden Krankenhäuser, Umbau des AKH, Pflegeoffensive neben der Rekrutierung von ÄrztInnen. Und mittelfristig müssen wir alles daransetzten, dass junge Menschen die hier studieren auch bleiben und hier arbeiten. Damit sie bleiben, muss noch viel getan werden: ein besseres Arbeitsumfeld, mehr Wertschätzung, geordnete Arbeitszeiten und natürlich auch bessere Gehälter und Honorare.

Vor allem aber: mehr Wertschätzung und ein Umdenken der Politik: Ausgaben für Gesundheit sind kein Kostenfaktor, sondern eine volkswirtschaftlich sinnvolle und Mehrwert schaffende Investition.

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